Home Region Rheintal Sport Magazin Schweiz/Ausland Agenda
Berneck
01.05.2025

Berneck startet öffentliche Mitwirkung zur Ortsentwicklung

Bild: Tatjana Neuner
Am Mittwochabend, 30. April 2025, wurde in der Mehrzweckhalle Bünt in Berneck vom Gemeinderat und weiteren Experten die neue Innenentwicklungsstrategie, der kommunale Richtplan und die Schulraumplanung vorgestellt. Diese bilden die Grundlage für die bevorstehende Revision von Zonenplan und Baureglement.

Gemeindepräsidentin Shaleen Mastroberardino eröffnete den Abend mit einem Rückblick auf den Projektstart vor rund zwei Jahren. Die Ortsplanungsrevision sei komplex und verlange interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Beteiligt waren unter anderem Philipp Gemperle von der Agentur «die Botschafter», externer Berater Ueli Strauss, Martin Lippuner und Beat Aliesch vom Planungsbüro Stauffer & Studach, welche durch den Abend führten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Gemeinde plant, ihr Wachstum durch qualitätsvolle Verdichtung innerhalb der Bauzonen zu steuern.
  • Der kommunale Richtplan zeigt die Entwicklung der nächsten 25 Jahre.
  • Die Schulraumplanung zeigt Bedarf an zwei zusätzlichen Kindergärten und drei bis fünf neuen Schulzimmern bis 2040/50.
  • Die Bevölkerung kann sich bis 2. Juni 2025 online beteiligen: mitwirken-berneck.ch.
  • Der Prozess folgt drei Schritten: Gesellschaftsleitbild – Strategien & Richtplan – Nutzungsplanung.

Mitwirkung und gesellschaftliche Einbindung

Philipp Gemperle erläuterte, dass die Erarbeitung der Strategie im Dialog mit dem Gemeinderat und einem Sounding Board erfolgte – einem Gremium mit Vertretern aus Gewerbe, Parteien, Vereinen, Kirche und der Ortsgemeinde. Er erinnerte an das im Vorjahr verabschiedete Gesellschaftsleitbild «Berneck lebt», das als Grundlage für die Planungsinstrumente dient.

  • Shaleen Mastroberardino Bild: Tatjana Neuner
    1 / 2
  • Philipp Gemperle Bild: Tatjana Neuner
    2 / 2

Der Richtplan sei noch nicht konkret, sondern eine strategische Ausrichtung. Die Bevölkerung spiele im Prozess eine aktive Rolle. Ab Mitternacht sei die Mitwirkungsplattform mitwirken-berneck.ch online geschaltet.

Rechtliche Grundlagen und Planungsstruktur

Raumplaner Ueli Strauss stellte den übergeordneten rechtlichen Rahmen vor. Das revidierte Raumplanungsgesetz (RPG) von 2014 sowie das Planungs- und Baugesetz des Kantons St.Gallen von 2017 verlangen eine nachhaltige Innenentwicklung. Bauzonen dürfen künftig nur noch den Bedarf der nächsten 15 Jahre abdecken.

  • Ueli Strauss Bild: Tatjana Neuner
    1 / 2
  • Bild: Tatjana Neuner
    2 / 2

Berneck verfolge den gesetzlich vorgeschriebenen Drei-Schritt-Prozess: Zuerst wurde das Gesellschaftsleitbild verabschiedet, nun befinden sich die Innenentwicklungsstrategie, der kommunale Richtplan und die Schulraumplanung in der öffentlichen Mitwirkung. Anschliessend folgt die Revision der Nutzungsplanung mit Zonenplan und Baureglement.

Der kommunale Richtplan sei für die Behörden verbindlich, aber nicht für Grundeigentümer. Die Nutzungsplanung wird später öffentlich aufgelegt und unterliegt dem fakultativen Referendum.

Künftige Entwicklungsschwerpunkte in Berneck

Martin Lippuner präsentierte die konkreten Entwicklungsschwerpunkte im Rahmen der Innenentwicklungsstrategie. Berneck sei in den letzten Jahren gewachsen, verfüge aber nur noch über Baulandreserven für rund 460 zusätzliche Einwohner. Dieses Potenzial reiche kaum bis ins Jahr 2050.

Martin Lippuner Bild: Tatjana Neuner

Um den Anforderungen gerecht zu werden, sieht der Richtplan verschiedene Entwicklungsgebiete vor: Feldmüli West und Ost sollen mit mittlerer Dichte über Sondernutzungspläne entwickelt werden. Das Areal der Mobil Werke AG mit älterer Bausubstanz soll mittelfristig neu organisiert werden.

Weitere Entwicklungsgebiete sind das Industriegebiet Musterplatz/Neufeld sowie die mittleren und nördlichen Wisen, wo eine Nutzung mit hoher Dichte für Arbeitszonen vorgesehen ist.

Qualitätsvorgaben, Infrastruktur und Umwelt

Zudem enthält der Plan klare Vorgaben zur Qualitätssicherung: In Sondernutzungsplänen sollen Gestaltung, Erschliessung, Freiraum und Ortsbildschutz berücksichtigt werden. Die öffentliche Infrastruktur – etwa Sportanlagen, Dorfschule und Spielräume – soll erhalten und ausgebaut werden.

Bild: Tatjana Neuner

Der Schutz hochwertiger Grünräume, die Förderung natürlicher Lebensräume sowie die Umsetzung eines Hochwasserschutzprojekts gehören ebenfalls zu den Zielen. Die Verkehrsinfrastruktur soll durch neue und attraktivere Veloverbindungen ergänzt, der öffentliche Verkehr gestärkt und ein Parkierungskonzept erarbeitet werden.

Wachsender Schulraumbedarf bis 2050

Im Anschluss übernahm Beat Aliesch die Vorstellung der Schulraumplanung. Aktuell liegt der Anteil der Kinder an der Gesamtbevölkerung bei rund neun Prozent, künftig werde er etwa 10 Prozent betragen. Daraus resultiert bis 2040 ein Bedarf an zwei zusätzlichen Kindergärten und zwei zusätzlichen Schulzimmern. Bis 2050 könnten drei weitere Schulzimmer hinzukommen.

Beat Aliesch Bild: Tatjana Neuner

Aliesch stellte mehrere Standortvarianten vor. Als optimale Lösung wurde die Errichtung von zwei Dreifach-Kindergärten an den Standorten Wiesli und Rathausplatz identifiziert. Gleichzeitig sollen die heutigen Kindergärten Bünt und Schulstrasse aufgegeben werden.

Eine Umnutzung für Tagesstrukturangebote sei möglich. Für die Primarschule sieht die Planung eine Erweiterung des Schulhauses Stäpfli vor. Diese Variante biete gute Erreichbarkeit, viel Aussenraum, langfristige Stabilität und habe neben anderen Varianten keine Schwächen.

Mitdenken, mitreden, mitwirken

Zum Abschluss erinnerte Philipp Gemperle an die öffentliche Mitwirkung. Unter mitwirken-berneck.ch können bis zum 2. Juni 2025 Rückmeldungen eingereicht werden. Auch Jugendliche und Kinder sollen bei Mitwirkungsveranstaltungen die Möglichkeit haben, sich einzubringen.

Bild: Tatjana Neuner

In der abschliessenden Fragerunde nutzten zahlreiche Bürger von Berneck die Gelegenheit, Rückfragen an die Experten zu stellen – etwa zur Verkehrsanbindung, zur künftigen Schulwegsituation, zum Ortsbild oder zur Mobilisierung von Bauland. 

Tatjana Neuner
Demnächst