Eine knappe Woche nach dem 1. April ist es Zeit, den Lesern reinen Wein einzuschenken – oder?
Ihre Geschichte hat Wellen geschlagen. Ich war überrascht, wie oft ich in den letzten Tagen auf den Scherz zum katarischen Stadion 974 angesprochen wurde. Der Inhalt Ihres Artikels war in diesen Tagen auch unter Politikern beliebter Gesprächsstoff.
Wo?
Zum Beispiel am letzten Dienstag beim informellen Teil anlässlich der DV des Vereins St.Galler Rheintal. Da waren unter anderem Gemeindepräsidenten aus dem Rheintal und auch Bürgermeister aus dem Vorarlberg dabei. Und gerade vorhin wurde ich hier in Strassburg von zwei Europaratsabgeordneten aus Österreich zum «Wunder mit dem katarischen Stadion» angesprochen.
Was passiert mit dem modularen katarischen Superstadion nun wirklich?
Die Pläne, das Stadion abzubauen und wieder neu zu errichten, scheinen im Moment auf Eis gelegt zu sein. Endgültig begraben sind sie wohl noch nicht.
Würde ein Ab- und ein Wiederaufbau überhaupt Sinn machen?
Warum nicht? Das Stadion mit den 44'089 Sitzplätzen steht jetzt direkt beim alten Hafen von Doha. Die 974 Container haben auf einem grossen Frachtschiff problemlos Platz. Um unnötige Transporte zu vermeiden, sollte auch der neue Standort in Hafennähe sein.
Die Container werden also nicht auf die Reise ins Alpenrheintal geschickt? Auch nicht in Richtung Vorarlberg oder Fürstentum Liechtenstein?
Das ist so. Der SCR Altach spielt in der ersten österreichischen Bundesliga bereits in einem zweckmässigen Fussballstadion mit Platz für 8'500 Personen. Das neue Reichshofstadion in Lustenau wird ein Schmuckstück. Und im Rheinpark in Vaduz hat es Platz für rund 8'000 Zuschauer.
Und bei uns? Gibt es auf der Schweizer Seite des Rheins keine Notwendigkeit für ein «richtiges» Stadion?
Es braucht keine grosse Fussballarena im St.Galler Rheintal. Wir haben keine Klubs, die in einer Profiliga spielen. Unsere Vereine bieten den jungen Leuten eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Sie betreiben Nachwuchsförderung und integrieren Zugezogene.
Auch das kostet Geld.
Und zwar nicht wenig. Nehmen wir als Beispiel das Projekt «Kolbenstein 2030». Der FC Montlingen hat eine Juniorenabteilung mit über 230 Junioren. Da braucht es Infrastruktur und Spielflächen.
Sie werten den Entscheid der Oberrieter Bürgerversammlung vom letzten Freitag also als positiv?
Ich war an der Versammlung. Die gut drei Millionen Franken von der öffentlichen Hand sind für unsere Gemeinde kein Pappenstiel. Das Projekt ist gut durchdacht. Darum konnten die Stimmbürger überzeugt werden.
Nun ist bekannt geworden, dass die Bank Raiffeisen mit einer Art Namenssponsoring bei der Finanzierung hilft. Macht das Sinn?
Ja. Bald haben wir in der Gemeinde Oberriet einen bodenständigen Raiffeisen-Platz anstatt eines katarischen Emir-Stadions oder einer Abdulla-Arena (lacht). Ich kenne beide Spielstätten. Auf dem Kolbenstein spielte ich viele Jahre lang als Junior beim FC Montlingen. Und in der katarischen 974-Arena war ich im Jahr 2022 als Zuschauer.
An einem der beiden Schweizer Spiele, die an der Fussball-WM dort ausgetragen wurden?
Nein. Ich sah das Spiel Frankreich gegen Dänemark, inmitten von Gastarbeitern aus dem asiatischen Raum. Die Stimmung war fantastisch, das Stadion bebte. Ein sehr starker Kylian Mbappé schoss Frankreich mit zwei Toren zum Sieg.
In jenem 974er-Stadion hätte der Schweizer Marcel Koller im letzten Dezember beinahe Fussballgeschichte geschrieben.
Genau. Sein Team Al Ahly aus Kairo verlor das Halbfinal des Intercontinental Cups nach Elfmeterschiessen. Sonst wäre der beste Schweizer Trainer der letzten Jahrzehnte im Final gegen Real Madrid gestanden.
Es ist nicht das erste Mal, dass Koller mit seinem ägyptischen Team bei dieser Klub-WM mit den Topmannschaften der Welt mithalten kann.
Was der Meistertrainer von St.Gallen und GC in Ägypten unter schwierigsten Umständen fertigbringt, ist fast unglaublich: zweimal Meister, zweimal Cupsieger, er gewann auch die afrikanische Champions League und weitere Titel. Insgesamt sind es deren elf. Und all das in nur zweieinhalb Jahren.