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Oberriet
07.04.2025
07.04.2025 10:49 Uhr

«Keine Container nach Oberriet»: Büchel über Stadion-Scherz, Sport und Politik

Der Name des Stadions leitet sich von den 974 für den Bau verwendeten Containern ab und ist zugleich ein Hinweis auf die internationale Telefonvorwahl von Katar
Der Name des Stadions leitet sich von den 974 für den Bau verwendeten Containern ab und ist zugleich ein Hinweis auf die internationale Telefonvorwahl von Katar Bild: visitqatar.com
Wir haben mit Nationalrat und Sportmanager Roland Rino Büchel über Lionel Messi und Cristiano Ronaldo – aber auch über Markus Ritter, Donald Trump, Gianni Infantino und Marcel Koller gesprochen. Bei den Zahlen 123, 974, 55'555, 20 Millionen und eine Milliarde geht es um Unerhörtes und noch nie Gehörtes. Ausserdem: Das modulare katarische Superstadion kommt nicht ins Rheintal.

Eine knappe Woche nach dem 1. April ist es Zeit, den Lesern reinen Wein einzuschenken – oder?

Ihre Geschichte hat Wellen geschlagen. Ich war überrascht, wie oft ich in den letzten Tagen auf den Scherz zum katarischen Stadion 974 angesprochen wurde. Der Inhalt Ihres Artikels war in diesen Tagen auch unter Politikern beliebter Gesprächsstoff.

Wo?

Zum Beispiel am letzten Dienstag beim informellen Teil anlässlich der DV des Vereins St.Galler Rheintal. Da waren unter anderem Gemeindepräsidenten aus dem Rheintal und auch Bürgermeister aus dem Vorarlberg dabei. Und gerade vorhin wurde ich hier in Strassburg von zwei Europaratsabgeordneten aus Österreich zum «Wunder mit dem katarischen Stadion» angesprochen.

Was passiert mit dem modularen katarischen Superstadion nun wirklich?

Die Pläne, das Stadion abzubauen und wieder neu zu errichten, scheinen im Moment auf Eis gelegt zu sein. Endgültig begraben sind sie wohl noch nicht.

Würde ein Ab- und ein Wiederaufbau überhaupt Sinn machen?

Warum nicht? Das Stadion mit den 44'089 Sitzplätzen steht jetzt direkt beim alten Hafen von Doha. Die 974 Container haben auf einem grossen Frachtschiff problemlos Platz. Um unnötige Transporte zu vermeiden, sollte auch der neue Standort in Hafennähe sein.

Die Container werden also nicht auf die Reise ins Alpenrheintal geschickt? Auch nicht in Richtung Vorarlberg oder Fürstentum Liechtenstein?

Das ist so. Der SCR Altach spielt in der ersten österreichischen Bundesliga bereits in einem zweckmässigen Fussballstadion mit Platz für 8'500 Personen. Das neue Reichshofstadion in Lustenau wird ein Schmuckstück. Und im Rheinpark in Vaduz hat es Platz für rund 8'000 Zuschauer.

Und bei uns? Gibt es auf der Schweizer Seite des Rheins keine Notwendigkeit für ein «richtiges» Stadion?

Es braucht keine grosse Fussballarena im St.Galler Rheintal. Wir haben keine Klubs, die in einer Profiliga spielen. Unsere Vereine bieten den jungen Leuten eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Sie betreiben Nachwuchsförderung und integrieren Zugezogene.

Auch das kostet Geld.

Und zwar nicht wenig. Nehmen wir als Beispiel das Projekt «Kolbenstein 2030». Der FC Montlingen hat eine Juniorenabteilung mit über 230 Junioren. Da braucht es Infrastruktur und Spielflächen.

Sie werten den Entscheid der Oberrieter Bürgerversammlung vom letzten Freitag also als positiv?

Ich war an der Versammlung. Die gut drei Millionen Franken von der öffentlichen Hand sind für unsere Gemeinde kein Pappenstiel. Das Projekt ist gut durchdacht. Darum konnten die Stimmbürger überzeugt werden.

Nun ist bekannt geworden, dass die Bank Raiffeisen mit einer Art Namenssponsoring bei der Finanzierung hilft. Macht das Sinn?

Ja. Bald haben wir in der Gemeinde Oberriet einen bodenständigen Raiffeisen-Platz anstatt eines katarischen Emir-Stadions oder einer Abdulla-Arena (lacht). Ich kenne beide Spielstätten. Auf dem Kolbenstein spielte ich viele Jahre lang als Junior beim FC Montlingen. Und in der katarischen 974-Arena war ich im Jahr 2022 als Zuschauer.

An einem der beiden Schweizer Spiele, die an der Fussball-WM dort ausgetragen wurden?

Nein. Ich sah das Spiel Frankreich gegen Dänemark, inmitten von Gastarbeitern aus dem asiatischen Raum. Die Stimmung war fantastisch, das Stadion bebte. Ein sehr starker Kylian Mbappé schoss Frankreich mit zwei Toren zum Sieg.

In jenem 974er-Stadion hätte der Schweizer Marcel Koller im letzten Dezember beinahe Fussballgeschichte geschrieben.

Genau. Sein Team Al Ahly aus Kairo verlor das Halbfinal des Intercontinental Cups nach Elfmeterschiessen. Sonst wäre der beste Schweizer Trainer der letzten Jahrzehnte im Final gegen Real Madrid gestanden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Koller mit seinem ägyptischen Team bei dieser Klub-WM mit den Topmannschaften der Welt mithalten kann.

Was der Meistertrainer von St.Gallen und GC in Ägypten unter schwierigsten Umständen fertigbringt, ist fast unglaublich: zweimal Meister, zweimal Cupsieger, er gewann auch die afrikanische Champions League und weitere Titel. Insgesamt sind es deren elf. Und all das in nur zweieinhalb Jahren.

Roland Rino Büchel lebt in Oberriet Bild: who-s-who.ch

Al Ahly hat letzte Woche im Viertelfinal der aktuellen afrikanischen Champions League Al-Hilal, den steinreichen Meister von Saudi-Arabien, geschlagen. Ein Beleg, dass man mit Geld im Fussball nicht alles kaufen kann?

Und irgendwie auch ein Trost. Der saudische Meister war bis vor Kurzem der Arbeitgeber von Neymar, der heruntergerechnet 20 Millionen pro gemachtes Spiel einstrich.

Nun spielt Neymar in Brasilien, beim FC Santos.

Andere Superstars wie Cristiano Ronaldo oder Karim Benzema schiessen ihre Tore weiterhin für saudische Klubs. Im Fussball rollt der Rubel aber auch andernorts. So wird in diesem Sommer in den USA eine Milliarde Dollar ausgeschüttet.

An der Klub-WM?

Ja. Marcel Koller wird an der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft mit seinem Team Al Ahly auf Inter Miami mit Lionel Messi treffen – und zwar schon im Eröffnungsspiel.

Aus der Schweiz hat es kein Team unter die teilnehmenden 32 Mannschaften geschafft.

Aber es sind Schweizer Spieler dabei: Yann Sommer, Goalie von Inter Mailand. Gregor Kobel, Goalie von Borussia Dortmund. Manuel Akanji, Verteidiger von Manchester City. Und Lucas Blondel von den Boca Juniors aus Buenos Aires. Es lohnt sich, Vollgas zu geben – dem Siegerteam winken neben dem Titel weit mehr als 100 Millionen Franken an Prämien.

Bedeutend weniger erfreulich sind andere Nachrichten aus den USA. Ist Ihrer Meinung nach bei der 31-prozentigen Zollbelastung, die Präsident Trump der Schweiz aufs Auge drücken will, schon das letzte Wort gesprochen?

Nein. Wenn wir in den USA mit den richtigen Argumenten und den richtigen Personen auftreten, wird es entscheidende Korrekturen zu unseren Gunsten geben.

Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter und Vizepräsident Guy Parmelin reisen noch in diesem Monat nach Washington. Das ist die höchstmögliche Besetzung. Oder denken Sie wie Adolf Ogi, dass WEF-Gründer Klaus Schwab und Gianni Infantino als Türöffner mit dabei sein sollten?

Ich würde tatsächlich versuchen, die Delegation mit dem weltweit bekanntesten Schweizer zu ergänzen – also mit FIFA-Präsident Gianni Infantino.

Warum das?

Aussergewöhnliche Umstände erfordern aussergewöhnliche Massnahmen. Der FIFA-Präsident ist der einzige Schweizer, der einen direkten Zugang zum Oval Office hat. Der US-Präsident hat dort sogar einen WM-Pokal aufgestellt. Trump und Infantino werden sich in den nächsten Monaten wegen der Fussball-Klub-WM 2025 und der Fussball-WM 2026 regelmässig treffen.

Sie erwähnten im Vorgespräch, dass Sie im Zusammenhang mit Ihrer Funktion als Chefstimmenzähler bei den Bundesratswahlen noch etwas Interessantes zur Zahl 123 zu sagen hätten.

Das Duell zwischen Martin Pfister und Markus Ritter war die 123. Bundesratswahl. Sie fand am 12.3. statt. Das absolute Mehr betrug 123 Stimmen. Und Martin Pfister erreichte im ersten Wahlgang…

122 Stimmen. Oder nicht?

Hätte einer der 18 Parlamentarier, welche einen anderen Namen als Markus Ritter oder Martin Pfister aufschrieben, sich von Anfang an für den Zuger entschieden, dann wäre dieser mit 123 Stimmen gewählt gewesen. Ein interessantes Zahlenspiel, nicht? Ich würde zum Schluss gerne noch etwas ganz anderes erwähnen.

Nur zu!

Am Anfang des Gesprächs ging es unter anderem um eine Sitzung des Vereins St.Galler Rheintal im Heerbrugger Kinotheater Madlen. Ende November 2024 war ich am gleichen Ort an der Premiere des Films «Hölde – Die stillen Helden vom Säntis».

Hätten Sie damals mit einer derartigen Erfolgsgeschichte gerechnet?

Da war viel Energie dabei. Und der Film ist gut. Darum hat mich der Erfolg nicht übermässig überrascht. In diesen Tagen hat sich Zuschauer Nummer 55'555 den Film angesehen.

Nun soll das Werk auch in den Open-Air-Kinos gezeigt werden.

Das ist eine gute Sache. Ich freue mich mit dem Macher des Films, Victor Rohner. Der Altstätter war in den Neunzigerjahren mein Chef beim Swiss Ski Pool. Wir betreuten das Sponsoring der Schweizer Skinationalmannschaft. Die Athleten gingen damals in den berühmten «Käseanzügen» an den Start – allerdings nicht als «Appenzeller». Die besten Männer hatten «Emmentaler» als Sponsor, die besten Frauen «Gruyère».

rheintal24/stz.
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