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Heerbrugg
24.09.2021

Zwei Giganten des Wortwitzes

Wer solche Nasenhaare hat, muss ab und zu zum Coiffeur
Wer solche Nasenhaare hat, muss ab und zu zum Coiffeur Bild: Ulrike Huber
Am Donnerstag traten die deutschen Comedians namens «Oropax» im Rahmen der Kulturbrugg-Festivals im Kinotheater Madlen auf. Ein Abend voller Nonsens, intelligentem Humor und Slapstick.

So soll Comedy sein! Blitzgescheit, megaoriginell, getragen sowohl von sensationellem Wortwitz, der Liebe zur deutschen Sprache und auch einem gerüttelt Mass an Klamauk. Die deutschen Brüder Thomas und Volker Martins vulgo Chaostheater Oropax rauschten am Donnerstagabend wie ein Naturereignis über die Bühne des Kinotheaters Madlen. Früher sollen sie ja einmal nicht «Oropax», sondern «Brausetabletten» geheissen haben. Warum dieser Namenswechsel? «Wir haben uns aufgelöst.»

  • Der mittelalterliche Amtsrichter mit der Gräfin von und aber meist zu Bild: Ulrike Huber
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Doppeldeutigkeit von Begriffen

Dieser eine kurze Scherz ist bei Oropax Programm. Sie spielen mit der deutschen Sprache und der Doppeldeutigkeit von Begriffen. Wortakrobatik pur. In atemberaubendem Tempo. Während die Zuschauer noch über den letzten Gag nachdenken, kommt schon der nächste Hammerspruch. Wie die Antwort eines Bibers auf die Frage, wann ihn denn sein Weibchen verlassen habe? «Als der Damm gerissen ist.»

  • Zwei Biber auf der Bühne, einer sogar unbehaart Bild: Ulrike Huber
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So geht es Pointe um Pointe weiter. Was denn ein offener Beischlaf in hohem Gras sei. Ein «häufig». Oder wie kann man die Gegenwart in der Vergangenheit aussprechen? «Ich war dafür, als ihr dagegen wart.» Und ständig wird improvisiert. Was man immer daran gemerkt hat, dass sich die beiden Comedians über sich selbst köstlich amüsierten und ein Lachen nicht verkneifen konnten.

  • Auch über Fische kann man derbe Spässe machen Bild: Ulrike Huber
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Auch im Fadenkreuz der Scherze war ein mit Blitz fotografierender Reporterkollege, der als „Jüngling  hinter der Kamera“ angesprochen darauf hingewiesen wurde, dass jetzt eine Viertelstunde Programm vorbei sei, und das Programm anschliessend flacher werde. Ein zarter Hinweis darauf, dass bei Konzerten und Comedyaufführungen wenn überhaupt, dann maximal eine Viertelstunde lang mit Blitzen fotografiert werden sollte.

  • Das gemeinsame Frühstuck wurde zum Desaster Bild: Ulrike Huber
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  • ...und «un malheur» kam auch vorbei Bild: Ulrike Huber
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Verkleidungen und Figuren

Die Brüder wechseln ständig in neue Verkleidungen, schlüpfen in neue Figuren. Wie zu Beginn des Abends in die Figur eines mittelalterlichen Bürgerlichen, der von der «Gräfin von und meist aber zu» berichtet. Und belehrt, dass der «Sinn von nie» in einer Symphonie liege. Oder der eine Bruder, der immer wieder als Mönch wiederkehrt, der mit seinem «Halooo», «Holaa» oder «Alohaaa» seinen anderen Bruder beinahe in den Wahnsinn treibt.

  • Der wiederkehrende asiatische Mönch nervte mit seinen «haloooos» Bild: Ulrike Huber
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Und pünktlich um 20.21 Uhr haben Oropax ihr Programm unter dem Abschiessen von Glitzerkonfetti, mit lauter Musik und fröhlichem Tanz unterbrochen. Schliesslich galt es, das Jahr 2021 zu feiern. Ein Gag, den sie schon zu Beginn ihrer Karriere im Jahre 1983 machen wollten, was aber an der Zahl selber gescheitert sei.

  • Operation gelungen, es sind wieder Haare auf der Glatze Bild: Ulrike Huber
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  • Der Coiffeur erklärt einen Pony Bild: Ulrike Huber
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Tollkühn und schrill

Ja, die selbsternannten (denn niemand würde das sonst tun) «Beauty-Ritter der Comedy» und ihre aktuelle Show «Testsieger am Scheitel. Punkt» zelebrierten an diesem Abend im Rahmen des Kulturbrugg-Festivals ihrer Eigenwerbung entsprechend tollkühn und schrill ein buntes Gipfeltreffen der Sinnlosigkeit. Ein Festival der Wortakrobatik. Als Testsieger in der haarigen Kategorie Scheitel mit Punkt – aber ohne Pony.

  • Oropax will ein neuartiges Klo verkaufen Bild: Ulrike Huber
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  • ...mit verpixelter Hose... Bild: Ulrike Huber
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  • ...und ohne Hose Bild: Ulrike Huber
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  • ...und auch die Unterhose ist weg.. Bild: Ulrike Huber
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  • ...da wurde doch etwas vergessen... Bild: Ulrike Huber
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Nicht nur die bestochenen Zuschauer und bezahlten Verwandten bewerteten ihre Show anschliessend bei einem Glas Wein an der Bar des Kinotheaters Madlen mit dem Prädikat «enorm lustig», oder «Zwerchfellerreger des Jahres», sondern alle Besucher im beinahe ausverkauften Madlen zeigten sich nach dem Oeuvre in einem von den vielen Lachkrämpfen erschöpften, aber glücklichen Zustand.

  • Die Zugabe war ebenso brillant und rasant wie das ganze Programm Bild: Ulrike Huber
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Brachial-, Genial- und Genitalkomiker

Hier gilt wohl ein abgewandelter und dem Altmeister der deutschen Comedy Loriot vulgo Vico von Bülow zugewiesener Spruch: «Ein Leben ohne Oropax ist zwar möglich, aber sinnlos.» Bleibt zu hoffen, dass es den Madlen-Leuten gelingt, die beiden Brachial-, aber dennoch Genial- und ein wenig Genitalkomiker so bald wie möglich wieder auf die Bühne zu bringen.

rheintal24/gmh/uh