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Auto/Mobilität
08.06.2022
08.06.2022 12:17 Uhr

S18-Präsentation erhitzt die Gemüter

Sowohl Gegner als auch Befürworter der S18 diskutierten die ausgestellten Pläne
Sowohl Gegner als auch Befürworter der S18 diskutierten die ausgestellten Pläne Bild: Ulrike Huber
Am Dienstagnachmittag präsentierte die österreichische Autobahn- und Schnellstrassenbetreuergesellschaft ASFINAG den detaillierten Stand der Planungen für die S18. Wobei sowohl Befürworter als auch Gegner präsent waren.

Seit über fünfzig Jahren schwelt in Vorarlberg der Streit um eine vernünftige Trassenführung für die Schnellstrasse S18, die als Querspange für den Transitverkehr die beiden Rheintalautobahnen auf Vorarlberger und Schweizer Seite verbinden soll. Politischer Unwillen verbunden mit Unfähigkeit zur Durchsetzung hat bis heute die Vorlage eines bewilligungsfähigen Projekts verhindert.

Ing. Fritz Günter von der ASFINAG: «Wir haben versucht alle Aspekte zu berücksichtigen» Bild: Ulrike Huber

Wesentlich umweltschonendere Trasse

Das soll jetzt anders werden. Zumindest wenn es nach den Verantwortlichen der planenden und letztlich hoffentlich auch bauenden österreichischen ASFINAG geht. Nachdem zwischen den beiden Varianten Z und CP die Entscheidung für die Trasse CP gefallen war, da diese wesentlich umweltschonender sei, wurden am Dienstagnachmittag ausführliche und detaillierte Pläne in der Veranstaltungshalle des Competence Centers im Lustenauer Milleniumspark vorgestellt.

Aus den Plänen wurde die genaue Trassenführung ersichtlich Bild: Ulrike Huber

Alexander Walcher, ASFINAG-Geschäftsführer, betonte in seiner Eröffnungsrede vor den geladenen Journalisten die Bedeutung der Veranstaltung als Plattform der Information für die Bevölkerung. «Durch zahlreiche Experten vor Ort und den Darstellungen auf Plakaten samt Video als erlebbare Visualisierung gelingt Information und Auseinandersetzung mit dem Projekt sicher besser als mit einem Vortrag. Mit dieser Planungsausstellung informieren wir transparent und offen.»

Die ausgestellten Details wurden heiss diskutiert Bild: Ulrike Huber

Gelungene Präsentation

Es war eine gelungene Präsentation mit 29 Plakaten und einer Videoanimation. Gerade dieses Video zeigte, dass mit Untertunnelungen im Ausmass von 4.9 Kilometern entlang des Siedlungsrandes von Lustenau die Belastung der anrainende Bevölkerung minimiert werden soll.

  • Bürgermeister Kurt Fischer aus Lustenau diskutierte mit Gegnern und Befürwortern der S18: «Die Variante Z wäre uns lieber gewesen» Bild: Ulrike Huber
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  • Kurt Fischer in Gespräch mit Karina Lechtaler, Proponentin der Bürgerinitiative lebenswertes Lustenau Bild: Ulrike Huber
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«Wir haben versucht alle Aspekte zu berücksichtigen. Diese Aspekte reichen von Lärm über Erschütterung, Pflanzen, Luft- und Klima, Oberflächengewässer, Straßenplanung, Siedlungsraum bis zu Freizeit und Erholung», erzählte Ing. Fritz Günter von der ASFINAG im Gespräch mit rheintal24.ch.

Bild: Ulrike Huber

Verwirrender Zeitpunkt der Ausstellung

Über die Frage nach dem für viele der Interessierten verwirrenden Zeitpunkt dieser Ausstellung - wird doch gerade eine von Umwelt- und Verkehrsministerin Leonore Gewessler angeleierte Evaluierung möglicher Alternativen - durchgeführt, führte Ing.Günter aus, dass die ASFINAG in Erfüllung ihres gesetzlichen Auftrags die Planung der S18 parallel vorantreibe. «Bis Ende dieses Jahres sind die Evaluierungen möglicher Alternativen genauso fertig, wie unser für die notwendigen Bewilligungsverfahren benötigtes einreichfähiges Vorprojekt der CP-Variante.»

Und sollte das Bewilligungsverfahren für die CP-Variante letztlich vor den obersten Gerichten landen, so werden diese erfahrungsgemäss wissen wollen, ob auch Alternativen in aller Sorgfalt geprüft wurden.

  • Bürgermeister Herbert Sparr aus Höchst wartet mit seiner Gemeinde auch sehnlichst auf eine Verkehrsentlastung Bild: Ulrike Huber
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Viele Interessierte und angeregte Gespräche

Das Interesse für die Ausstellung war enorm. Von nachmittags um drei Uhr bis neun Uhr abends drängten sich die interessierten und betroffenen Menschen im Ausstellungsraum. In angeregte Gespräche verwickelt sah man unter anderem Verkehrslandesrat Marco Tittler und die Bürgermeister von Lustenau, Höchst und Lauterach, Kurt Fischer, Herbert Sparr und Elmar Rhomberg. Auch Tittler fand Gefallen am Veranstaltungsformat. «Diese Ausstellung sehe ich als wesentlichen Eckpfeiler einer offenen Kommunikation zum allgemeinen Planungsstand.»

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Von Schweizer Seite waren Agglomerations- und Gemeindepräsident Reto Friedauer sowie Stefan Suter vom Tiefbauamt des Kantons St.Gallen zu sehen. Wer noch gekommen war und sogar eine Art «Gegenveranstaltung» organisiert hatte, waren die Gegner der Entlastungsstrasse S18, die nach dem Floriani-Prinzip stattdessen eine bessere Umverteilung des durch Lustenau fliessenden Verkehrsstroms auf mehrere Zollämter wollen.

Sie hatten ihren Unterschriftenstand vor der Tür des Competence Centers aufgebaut. Vorteil des grossen Auflaufs in der Veranstaltungshalle des Competence Centers und draussen vor der Tür: Man sprach miteinander und hörte sich zu.

Bild: Ulrike Huber

Verwirrende Dinge

Wobei einige Dinge verwirrend waren. Wie es auch Karina Lechtaler als Proponentin der Bürgerinitiative lebenswertes Lustenau empfand: „Ich verstand die Welt nicht mehr, als ich die Ankündigung zu dieser Ausstellung gesehen habe, sind doch derzeit gerade die Alternativprüfungen im Gang.“ Wobei sich ihre Bürgerinitiative insbesondere für eine Entlastung der derzeit verkehrsgeplagten Strasse zwischen Engel-Kreisverkehr und dem Zollamt einsetzt.

Verwirrend auch, dass die wohl konkurrierende «Initiative Lebensraum Zukunft Lustenau» strikt gegen einen Bau der S18 ist. Eugen Schneider, Sprecher dieser Initiative zu den VN: «Ich sehe auf diesen Plänen viele Stellen für Verkehrsmassenbewegungen. Für mich bleibt das eine Belastungsstrasse. Aber ich will mir die Ausstellung noch im Detail anschauen.»

Video: Ulrike Huber

Alles wieder anders

«Heute haben wir als Besucher dieser Ausstellung nach meiner Einschätzung hauptsächlich die Gegner der CP-Variante hier, die eine massive Ausweitung der Belastung auf den östlichen Siedlungsrand von Lustenau befürchten», so die Ansicht von Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer, «gekommen sind die, die Ängste haben. Es ist kein Geheimnis, dass die Lustenauer und ich eher die Variante Z befürwortet hätten. Aber in einem Jahr kann ja ohnehin alles wieder anders sein.»

rheintal24/gmh/uh