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Altstätten
09.01.2022

Von Wegweisern und «ausgedachten» Personen

Liedermacherin und Kabarettistin Uta Köbernick bereitete den Diogenes-Besuchern einen vergnüglich-nachdenklichen Abend
Liedermacherin und Kabarettistin Uta Köbernick bereitete den Diogenes-Besuchern einen vergnüglich-nachdenklichen Abend Bild: Ulrike Huber
Uta Köbernick gastierte mit ihrem Programm «Ich bin noch nicht fertig» am Samstagabend im Diogenes-Theater. Eine Vorstellung voller frecher Lieder, tiefsinniger Gedichte und unsinnigen Sprüchen.

«Wir müssen nicht vorgeben, etwas zu sein. Es reicht der Schein.» Mit diesem Denkanstoss begann die in Berlin-Köpenick noch in der ehemaligen DDR aufgewachsene und seit 2000 in Zürich wohnhafte Uta Köbernick ihr Programm im sehr gut besuchten Diogenes-Theater.

Uta Köbernick: «Leise muss sie sein, damit man sie hört» Bild: Ulrike Huber

Im Lauf der Jahre verändert

Köbernick ist Liedermacherin und Kabarettistin. Und hat sich im Laufe der Jahre verändert. Noch 2017, als sie auch schon im Rheintal, und zwar im Widnauer Metropol auftrat, war sie noch die wütend-aggressive Polit-Kabarettistin. Mit ihrem neuen Programm kommt sie beinahe schon lyrisch-poetisch rüber. Oder wie sie selbst im Laufe des Abends einmal sagt: «Leise muss sie werden, damit man sie hört.»

Die studierte Schauspielerin hantierte mit Gitarre und Violine Bild: Ulrike Huber

Wenn Uta Köbernick sagt, was sie tut, ist das kurz und präzise und doch häufig irritierend. «Ich sing Lieder und sag Sachen.» Das ist ihre selbst zitierte Arbeitsplatzbeschreibung. Und wie sie die Lieder singt. Mit schöner Stimme, mit ihrer Gitarre und mit einem geharnischten Drang zum Komischen. Wie wenn sie jeweils am Ende eines Liedes ihre Gitarre noch vor und zurückschwingt wie der Elektro-Gitarrist einer pompösen Rockband.

Bild: Ulrike Huber

Kurzweilig und unterhaltsam

Viele ihrer Lieder sind poetisch, spiegeln gleichzeitig ihre Einstellung zu den Dingen, stellen Fragen, um meist dann auch selbst Antworten zu geben. «Wir waren so frei und der Himmel so blau - oder war es umgekehrt?» Uta Köbernick macht politisches Kabarett mit ganz viel Poesie, kurzweilig und unterhaltsam. In ihrem neuen Programm sagt sie: „Ich bin noch nicht fertig.“ Das ist so was von wahr, denn von ihr ist auch in Zukunft noch viel zu erwarten.

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«Noch nicht fertig» ist auch Titel und Standardantwort eines ihrer Lieder. Ein Lied, in dem alle Fragen - hast Du gut geschlafen? Alkohol getrunken? Dich entschieden? Fremd gegangen? Und mehrere andere - mit einem klaren Bekenntnis «Bin noch nicht fertig!» beantwortet werden. Was ja auch im wirklichen Leben so ist. Denn in der Realität wird man niemals fertig. Ausser, wenn mit dem Leben selbst Schluss ist.

Die Kabarettistin schlüpfte in die Rollen ihrer «ausgedachten» Personen Bild: Ulrike Huber

Wenn Du lange genug suchst,...

Noch ein paar tiefsinnig-philosphische Sprüche, die Köbernick ihrem Publikum mit auf den Weg gegeben hat. Wie etwa den Sager «Wenn du lange genug suchst, weisst Du dann irgendwann auch, wonach.» Oder in ihrem Monolog über die Spaltungen, auch in der Gesellschaft: «Aber sogar die Spalte einigt die Axt mit dem Holz.» Und immer wieder streut die Kabarettistin solitär ihre Weisheiten ein: «Von der Demut eines Wegweisers: Man kann ihn hinter sich lassen.»

Wie auch in jene der Tanja aus Berlin, die über ihr Leben in der DDR räsonierte Bild: Ulrike Huber

Grossartig auch die «ausgedachten» Personen der Künstlerin. Ihre Alter Egos. Ausgedacht, aber authentisch. Wie etwa Tanja aus Kreuzberg, die im uniformähnlichen Mantel mit Berliner Schnauze ihr Leben in der DDR schildert: «Wir hatten nüscht, nicht mal Gott.» Alles in allem ein vergnüglicher, zum Nachdenken und Reflektieren anregender Kabarettabend. Ein Kabarettabend, wie er denn sein soll.

Video: Ulrike Huber

rheintal24/gmh/uh