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Wirtschaft
30.05.2021

Stabübergabe bei der St.Galler Kantonalbank

Von links nach rechts; Roland Ledergerber, Verwaltungsrat / Christian Schmid, neuer CEO
Von links nach rechts; Roland Ledergerber, Verwaltungsrat / Christian Schmid, neuer CEO Bild: SGKB
Seit zwölf Jahren sitzt Christian Schmid in der Geschäftsleitung der St.Galler Kantonalbank, anfangs Mai 2021 übernahm er deren Vorsitz. Er folgt damit auf Roland Ledergerber, der in den Verwaltungsrat wechselt. Im Doppelinterview wirft Ledergerber einen Blick zurück und Schmid einen in die Zukunft.

Roland Ledergerber, nach 18 Jahren in der Geschäftsleitung treten Sie als CEO der SGKB zurück, um in den Verwaltungsrat der Bank zu wechseln, den Sie ab 2022 voraussichtlich auch präsidieren werden. Was ist am VR-Posten besser als an jenem des CEO?
Ich empfinde grosse Dankbarkeit und Befriedigung für die Zeit, während der ich CEO sein durfte. Und ich freue mich sehr auf meine Aufgabe und über das Vertrauen, das mir der Verwaltungsrat entgegenbringt, indem er mich zur Zuwahl ins Aufsichtsgremium empfiehlt. Ich habe schon vor einiger Zeit entschieden, dass ich mit 60 operativ aufhören, aber noch bis 70 mit ausgewählten Verwaltungsratsmandaten aktiv bleiben möchte.

Insgesamt sind Sie ja bereits seit 21 Jahren bei der SGKB. Welche Erinnerungen haben Sie noch an Ihren ersten Tag bei der KB?
Vorfreude auf das Neue, aber auch eine gewisse Unsicherheit. Ich kannte die Erwartungen an mich und freute mich darauf. Umgekehrt war ich gespannt auf die Menschen und auf die Art und Weise, wie die Bank funktionierte. Im Nachhinein war es der absolut richtige Entscheid, zur SGKB zu wechseln. Ich habe ihn keine Sekunde bereut und bin sehr dankbar, dass ich diese Möglichkeit erhielt.

Wie hat sich das Banken-Business in dieser Zeit verändert?
Der Wettbewerb ist intensiver, das Geschäft digitaler, die Transparenz grösser, die Professionalität umfassender und die Wertschöpfungsketten sind arbeitsteiliger geworden. Auf der positiven Seite sehe ich die Fortschritte im Kundenerlebnis und in der Effizienz, die dank Investitionen in die Digitalisierung realisiert werden konnten. Umgekehrt machen Regulierungen das Leben von Kunde und Bank nicht immer einfacher.

Welches waren die grössten Herausforderungen in Ihrer Zeit als CEO der SGKB?
Dazu zählen sicher der IT-Plattformwechsel gleich zu Beginn meiner Amtszeit, dann die darauf folgende Finanzkrise, die vielfältigen und tiefgehenden Veränderungen im Vermögensverwaltungsgeschäft, insbesondere im grenzüberschreitenden, die Digitalisierung und schliesslich seit 2015 die Negativzinsen.

Gibt es etwas, auf das Sie ganz besonders stolz sind?
Stolz bin ich auf unsere Mitarbeiter, auf unsere Unternehmenskultur und auf die konstant hohe Kundenzufriedenheit. Mit Stolz blicke ich auch auf die erfolgreiche strategische Neuausrichtung in den Jahren 2013 und 2014 zurück, als wir uns aus dem grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft zurückzogen und die entsprechenden Einheiten unserer Tochterbanken in Zürich und Genf devestierten. Gleichzeitig ist es uns gelungen, unser Anlagegeschäft in den letzten Jahren deutlich zu stärken. Und schliesslich bin ich stolz auf unsere Position und unsere Fortschritte in der Digitalisierung.

Was werden Sie im VR anders machen als Ihr Vorgänger Thomas Gutzwiller?
Inhaltlich und vom Aufgabenverständnis nichts. Wir sind natürlich unterschiedliche Persönlichkeiten, die sich hier und da vielleicht im Stil etwas unterscheiden.

Als Verwaltungsrat werden Sie Ihren Nachfolger als CEO und bisherigen Geschäftsleitungskollegen, Christian Schmid, beaufsichtigen. In der Corporate-GovernanceLehre gilt so etwas als umstritten.
Die Rollenverteilung ist ganz klar geregelt: Der CEO führt mit der Geschäftsleitung die Bank operativ und setzt die Strategie um. Der Verwaltungsrat als Kollektiv definiert die strategischen Ziele, bewilligt die Ressourcen und überwacht die Umsetzung. Er setzt den normativen Rahmen, indem er beispielsweise die Geschäftsleitungsmitglieder ernennt und die Risikopolitik definiert.

Auch wenn Ihr Nachfolger bereits viel Erfahrung mitbringt, welchen Tipp haben Sie für den künftigen CEO?
CEO dieses Unternehmens zu sein ist ein absoluter Traumjob und ein grosses Privileg. Christian hat ein ausgezeichnetes Team um sich. Ich wünsche Ihm viel Freude bei seiner neuen Aufgabe.

Christian Schmid, Sie sitzen seit zwölf Jahren in der GL der SGKB, im Mai übernehmen Sie den Vorsitz. Warum haben Sie sich ursprünglich zur Wahl gestellt?
Als sich die Türe öffnete, die Leitung unserer Bank zu übernehmen, musste ich nicht lange überlegen. Ich liebe generell Herausforderungen und freue mich, unsere grundsolide Bank gemeinsam mit unseren tollen Mitarbeitern in die Zukunft zu führen. Zudem nehme ich für mich in Anspruch, die St.Galler Regionen mit ihren Menschen und Bedürfnissen gut zu kennen. Ich bin durch und durch St.Galler und SGKBler.

Roland Ledergerber war bisher der CEO, bald wird er Verwaltungsratspräsident und bleibt damit ihr Chef. Wie wird sich Ihre Zusammenarbeit verändern?
Die Rollenverteilung zwischen CEO und Verwaltungsrat ist klar geregelt. Die operative Verantwortung wird ausschliesslich bei mir liegen. Unsere langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit gibt mir die Gewissheit, dass wir gemeinsam – jeder in seiner Rolle – die Bank erfolgreich führen werden. Ich bin zudem sehr froh, dass das Know-how und das Netzwerk von Roland in den Verwaltungsrat getragen werden.

Was wird sich unter Ihrer Führung verändern?
Es geht nicht darum, etwas anders zu machen. Es geht darum, die bisherige solide Arbeit weiterzuführen und für die wichtigsten Herausforderungen der Zukunft Lösungen zu finden. Wir sind und bleiben die St.Galler Bank für unsere Bevölkerung. Wir wollen die erste Bank für unsere Kunden sein.

Ein Thema, dass Sie in der nächsten Zeit beschäftigen wird, ist die Digitalisierung. Die SGKB verfügt bereits über ein zeitgemässes digitales Angebot (App, HäschCash, Wiitblick). Was steht in der nächsten Zeit noch an?
Wir passen die digital-unterstützte Kundenberatung wie auch die Selbstbedienung kontinuierlich an die Bedürfnisse unserer Kunden an. Einfachheit, Kundenerlebnis und Mehrwert sind dabei ist dabei unser oberstes Prinzip. Aktuelle Beispiele sind digitale Anlageempfehlungen sowie die verstärkte Digitalisierung des Kundeneröffnungsprozesses. Auf der strategischen Ebene treiben wir das sogenannte Open Banking weiter voran. Damit ist die Direktanbindung von externen Anwendungen an das Bankensystem gemeint. Die SGKB ist an vorderster Front mit dabei, einen schweizweiten Standard zur Anbindung von Portfoliomanagement-Systemen externer Vermögensverwaltungen zu etablieren. Weitere Vorhaben werden folgen.

Wie stark werden Sie in den kommenden Jahren FinTechStart-ups beschäftigen, die immer grösseren Zulauf erhalten, weil sie Bankdienstleistungen wesentlich günstiger anbieten?
FinTechs fokussieren sich meist auf einzelne Teile des Bankengeschäfts und optimieren diese bezüglich Einfachheit und Nutzerfreundlichkeit. Den Markteintritt suchen sie meist über einen günstigen Preis. Wir verstehen dies als Ansporn, unseren Kunden genauso agil einfache Leistungen anzubieten. Die SGKB profitiert bei deren Entwicklung von Kooperationen mit anderen Kantonalbanken. Bei wichtigen Lebensereignissen wie Hauskauf oder Pensionsplanung erwarten die Kunden aber weiterhin eine persönliche Beratung bei der Bank ihres Vertrauens. Wir werden auch in Zukunft in das Zusammenspiel von persönlichem Kontakt und digitalem Zugang investieren.

Was erachten Sie, neben der Digitalisierung, als die grössten Herausforderungen?
Wichtige aktuelle Herausforderungen der gesamten Gesellschaft wie Altersvorsorge und Nachhaltigkeit werden auch die Banken prägen. Wir werden in diesen zentralen Themen unsere Beratung und Dienstleistungen verstärken. Auch das anhaltende Negativzinsumfeld hat weiterhin grossen Einfluss auf unser Geschäft.

Dieser Text ist aus der LEADER Ausgabe April 2021. Die LEADER-Herausgeberin MetroComm AG aus St.Gallen betreibt auch stgallen24.ch.

rheintal24/Patrick Stämpfli