Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Wirtschaft
25.06.2022

Rezessionsängste beherrschen den Aktienmarkt

Bild: shutterstock.com
Die Grundstimmung an den Märkten bleibt weiterhin pessimistisch. Zins-, Inflations-, Kriegs- und Rezessionsängste dominieren. Am Freitag gab es jedoch eine grössere Gegenbewegung ins Positive.

Die Nachrichten aus Wirtschaft und Politik bleiben mehrheitlich negativ. Die Zentralbanken reagieren zurzeit nervös auch die Inflationszahlen und wollen die Preiswelle mit allen Mitteln bekämpfen. Der Chef der US-Notenbank FED Jerome Powell kündigt weitere Zinserhöhungen an und schliesst nun auch eine Rezession in den USA und der ganzen Welt nicht mehr aus.

Erhöhung der Leitzinsen

Die Europäische Zentralbank EZB spricht ebenfalls von einer Erhöhung der Leitzinsen anfangs Juli. Eine neue Verschuldungs- und Währungskriese wie 2008 würde dabei in Kauf genommen, welche denwirtschaftlich schwächeren Süden Europas belastet. Die gegenwärtige Regierungskrise in Bulgarien ist ein weiteres Problem der EU mit Osteuropa. Kroatien kann in Kürze den Euro einführen und die Ukraine und Moldausind Beitrittskandidaten.

Der Einkaufs-Manager-Index (PMI) in den USA und Europa drehte im Mai stark nach unten und widerspiegelt den Pessimums der Industriefirmen.

US-Präsident Joa Biden möchte die Steuern auf Treibstoffen vorübergehend aussetzen. Dazu braucht er noch das Einverständnis des US-Kongresses.

Deutschland ruft eine weitere Gas-Alarmstufe aus. Wegen Lieferbeschränkungen aus Russland könnte die Versorgung (Gas und Strom) im kommenden Winter schwierig werden.

Kolumbien hat gewählt, wie in vielen anderen lateinamerikanischen Ländern ein Linksrutsch. Die Gründe liegen in der Armut, Misswirtschaft und Korruption der früheren Regierungen.

Bei den Währungen wurden Euro und US-Dollargegenüber dem Schweizerfranken etwas schwächer, ebenso das Rohöl in Erwartung geringerer Nachfrageinfolge Rezession.

Christopher Chandiramani, Kantonsrat und Börsenanalyst, schreibt für rheintal24 eine wöchentliche Kolumne zum Börsengeschehen Bild: zsz.ch

Unternehmensnachrichten

Auch die Lufthansa streicht Flüge in der Sommersaison infolge Personalmangel. Hier ist die Strategie unklar, Umweltschutz, Treibstoff sparen oder einfach das Angebot künstlich verknappen, um Flugpreise hoch zu halten.

Der Börsenhandel der Messe-Schweiz-Aktien wurde zeitweise ausgesetzt. Es ging dabei auch um Hilfe des Kantons Basel-Stadt zur Rettung der Gesellschaft. Der Kanton möchte sich mit einem Aktienpaket beteiligen, Umfang CHF 34 Mio. Ausstellungen befinden sichzurzeit in einer strukturellen Krise, welche durch Corona verstärkt wurde.

Beim Schweizer Fleischverarbeiter Bell will Grossaktionär Coop die Beteiligung auf 2/3 aufstocken. Zurzeit besitzt Coop etwa 60 Prozent, will aber kein öffentliches Übernahmeangebot vorlegen.

Die Immobiliengruppe Swiss Prime Site konnte im H1/2022 rund 90'000 Quadratmeter neu- oder wiedervermieten. Das ist fast doppelt so viel wie im Jahrzuvor. Die Nachfrage nach kommerziellen Flächen ist weiterhin steigend.

Der Technologiekonzern Ascom verlängert einen Service-Vertrag (Technik) mit dem niederländischen Pflegeheimbetreiber Coloriet um fünf Jahre.

Der Batteriehersteller Leclanché stellt eine weitereGeneration von Schiffsbatterien vor. Damit kann  man Zukunft Schiffe mit einem Hybridsystem bauen.

Aussichten

Der Immobilienmarkt ist in Bewegung. Die Bau-Teuerung beträgt innert Jahresfrist über 7 Prozent, vor allem Materialkosten. Durch die weltweit gestiegenen Zinsen sind auch Hypotheken viel teurer geworden. Berstende Festhypotheken behalten allerdings den tiefen Zins bis zum Ende der Laufzeit. Die Sätze, die sich nach dem kurzfristigen Geldmarkt richten (Saron), bleiben vorerst tief, solange die Phase der Negativzinsen anhält. Auch die Mieter haben noch Ruhe vor dem Sturm, weil sich der Referenzzins des Bundes nur verzögert reagiert.

Bei den Aktien ist das Umfeld gedrückt, und wir verzeichnen einen durchschnittlichen Kursverlust von 20 Prozent seit Jahresbeginn. Krieg, anziehender Teuerung, Energie- und Rohstoffverknappung, Zinserhöhungen sowie Lieferengpässen und Fachkräftemangel haben zugesetzt. Bei tieferen Aktienkursen wird die Zeit wieder reif für Schnäppchenjagd nach Renditeperlen und Qualitätstiteln. Interessant sind auch Firmen mit einer kräftigen Eigenkaptaldecke. Knapp werdende Energieund Inflation werden uns jedoch noch eine Weile begleiten.

rheintal24/linth24/Christopher Chandiramani, Börsenanalyst