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Wirtschaft
23.06.2022

555 Jahre IHK - Gefeiert wurde in Heerbrugg

IHK-Direktor Markus Bänziger und sein Team wurden von der Generalversammlung entlastet
IHK-Direktor Markus Bänziger und sein Team wurden von der Generalversammlung entlastet Bild: Urs Bucher
Die im Zeichen des 555 Jahr-Jubiläums stehende Generalversamlung der Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell fand mit über 600 Gästen auf dem Betriebsgelände der SFS Group statt.

An der Jubiläums-Generalversammlung stand aber nicht die Geschichte im Vordergrund, sondern die Zukunft des Industrie- und Exportplatzes Ostschweiz. «Mit 555 Jahren ist die IHK St.Gallen-Appenzell die älteste Handelskammer der Schweiz und vermutlich sogar eine der ältesten weltweit.» Mit diesen Worten eröffnete IHK-Präsident Roland Ledergerber die IHK-Jubiläums-Generalversammlung bei SFS in Heerbrugg.

  • Industrielle und Politiker aus dem ganzen Kanton und darüber hinaus gaben sich in Heerbrugg ein Stelldichein Bild: Ulrike Huber
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  • Auch Ständerat Beni Würth feierte mit Bild: Ulrike Huber
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  • Philipp Müller, Rektor der KBZ St.Gallen Bild: Ulrike Huber
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Zukunft des Industrie- und Exportplatzes

Das war es dann aber auch schon mit der historischen Rückblende. Stattdessen richtete sich der Fokus rasch auf die Zukunft des Industrie- und Exportplatzes Ostschweiz. Denn: Die Ostschweiz sei heute ohne Zweifel ein attraktiver und erfolgreicher Wirtschafts-, Arbeits- und Lebensort, so Roland Ledergerber.

 

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Aber die Region sei an verschiedenen Fronten herausgefordert. «Die Welt bewegt sich, die Wettbewerber werden stärker, die Anforderungen steigen.» In diesem Umfeld sei es ein Naturgesetz: «Was nicht besser wird, bleibt nicht gut.»

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Europadossier und Altersvorsorge

Handlungsbedarf verortete der IHK-Präsident in seiner Ansprache insbesondere in drei Dossiers. Erstens müssten die bilateralen Beziehungen zur EU gesichert werden. 64% aller Ostschweizer Industrieexporte fliessen nach Europa. Umgekehrt arbeiten viele Tausende europäische Fachkräfte in den Ostschweizer Unternehmen. Diese enge wirtschaftliche Verflechtung sei für die Ostschweiz ein riesiger Vorteil. Der Bundesrat sei nach dem Verhandlungsabbruch über ein Rahmenabkommen mit der EU deshalb nun zum raschen Handeln aufgefordert.

  • IHK-Präsident Roland Ledergerber begrüsste die Besucher der GV zum 555-jährigen Bestehen Bild: Ulrike Huber
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  • AGV Rheintal Präsident Klaus Brammerz (links mit Markus Bänziger): «Wir haben eine unglaubliche Innovationskraft im Rheintal» Bild: Ulrike Huber
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Zweitens müsse die Altersvorsorge auf ein zukunftsfähiges Fundament gestellt werden, so Roland Ledergerber. Derzeit findet sowohl in der ersten als auch in der zweiten Säule eine starke Umverteilung von den Erwerbstätigen zu den Pensionierten statt. «Das ist systemwidrig. Und es ist nicht fair.» Die Revision AHV 21 sei deshalb ein Schritt in die richtige Richtung.

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Energiesversorgung gemeinsam meistern

Drittens betonte Roland Ledergerber die Herausforderung einer drohenden Strom- und Gasmangellage für die Unternehmen. «Die lückenlose Energieversorgung der Schweiz zu international marktfähigen Preisen muss weiterhin sichergestellt werden.»

Gleichzeitig müsse die Dekarbonisierung vorangetrieben werden. Diese Balance zu finden, sei komplex und verlange eine gesamtheitliche Herangehensweise: angebots- und nachfrageseitig sowie bei den rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen.

IHK-Direktor Markus Bänziger: «Die Unternehmen müssen wieder stärker als Teil der Lösung, und nicht des Problems gesehen werden» Bild: Ulrike Huber

Unternehmen als Teil der Lösung

Allgemein müssten die Unternehmen wieder stärker als Teil der Lösung, und nicht des Problems gesehen werden, so der IHK-Präsident. Ein Votum, dass im anschliessenden Podium unter der Leitung von IHK-Direktor Markus Bänziger mit den Spitzen der drei gewichtigsten nationalen Wirtschaftsverbände wiederholt bekräftigt wurde. Klimawandel, Mobilität, Corona, Ernährung: Die Schweizer Fertigungsindustrie leiste weltweit unverzichtbare Arbeit zur Bewältigung dieser Herausforderungen, betonte etwa Swissmem-Präsident Martin Hirzel. Die Globalisierung sei deshalb das «beste Armutsbekämpfungsprogramm».

Alle Beschlüsse der GV wurden einstimmig gefasst Bild: Ulrike Huber

Dieses positive Wirken der hiesigen Unternehmen müsse gegenüber der Öffentlichkeit vermehrt sichtbar gemacht werden, ergänzte Christoph Mäder, Präsident des Wirtschaftdachverbands economiesuisse. Dazu brauche es auch den Mut von Unternehmenspersönlichkeiten, sich wieder stärker in die politische Debatte einzubringen, so der Appell an das Publikum.

  • Markus Bänziger führt eine Podiumsdiskussion mit (v.l.) Urs Kaufmann vom Arbeitgeberverband, Martin Hirzel von Swissmem und Christoph Mäder von Econosuisse Bild: Ulrike Huber
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Gelebte Unternehmenskultur

Entscheidend für die Stärkung des Vertrauens in die Wirtschaft sei aber insbesondere auch die gelebte Unternehmenskultur, zeigte sich Urs Kaufmann, Vorstandsausschussmitglied des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, überzeugt. Die Ostschweiz gehe hier mit gutem Beispiel voran: Die Kultur sei geprägt von einem gesunden Vertrauen, einem professionellen Pragmatismus, Lösungsorientierung, Bodenständigkeit, Leistungsbereitschaft und einer starken Verbundenheit mit dem Unternehmen.

  • Nick Huber (li.) Mitglied des Verwaltungsrates der SFS Group: «Der Neubau dieser Halle ist Ausdruck eines langfristigen Denkens und ein Bekenntnis zum Standort Heerbrugg» Bild: Ulrike Huber
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  • Die Crew von «Mehrlust-Catering» sorgte für das leibliche Wohl Bild: Ulrike Huber
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Diese Werte sollen international tätige Schweizer Unternehmen auch in ihren Werken im Ausland verankern, gemeinsam mit den Mitarbeitenden vor Ort. Es sei dies das weitaus erfolgversprechendere Mittel gegen autokratische Regimes als Dogmatismus oder eigenständige politische Sanktionen der offiziellen Schweiz.

Video: Ulrike Huber

Bekenntnis zum Standort Ostschweiz

Insgesamt zeigten sich die Podiumsgäste aber sehr optimistisch für die Zukunft des Industrie- und Exportplatzes Ostschweiz. Es sei «erstaunlich und höchst erfreulich», dass die Schweizer Industrie in den vergangenen Jahren als eine der wenigen in Westeuropa ihre Position stärken konnte, so Christoph Mäder.

Exemplarisch dafür stand der Ort der IHK-Jubiläumsfeierlichkeiten in der neuen Dreifach-Produktionshalle von SFS. Der substanzielle Ausbau sei Ausdruck eines langfristigen Denkens und ein Bekenntnis zum Standort Heerbrugg, betonte SFS-Verwaltungsratsmitglied Nick Huber in seinem Schlusswort.

  • v.li. Sarah Peter-Vogt und Sabina Saggioro Bild: Ulrike Huber
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  • Christoph Mäder von Econosuisse Bild: Ulrike Huber
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  • Christoph Schmid von tobias.wein.gut Bild: Ulrike Huber
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  • Nach der Veranstaltung gab es für alle noch vieles zu bereden Bild: Ulrike Huber
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  • IHK-Präsident Roland Ledergerber im angeregten Gespräch Bild: Ulrike Huber
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Auch auf den Betriebsbesichtigungen bei neun Rheintaler Unternehmen, die im Vorfeld zur GV stattfanden, zeigte sich den Gästen eindrücklich: In der Region wird an den Produkten und Lösungen von morgen gearbeitet. Darauf dürfe man stolz sein, betonte IHK-Direktor Markus Bänziger abschliessend. Im Zentrum des speziellen IHK-Jubiläums stehen deshalb unter dem Motto «Raum für Wirken und Wandel» die Vielfalt und Innovationskraft der Ostschweizer Unternehmen.

  • v.l. Christoph Schmid, Gabriela Manser, Klaus Brammertz Bild: Ulrike Huber
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  • IHK-Mitarbeiter Jan Riss im Gespräch Bild: Ulrike Huber
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  • li. LEADER-Chefredaktor Stephan Ziegler im Gespräch mit Jan Riss Bild: Ulrike Huber
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  • Regierungsrat Beat Tinner unterhielt sich ausgezeichnet Bild: Ulrike Huber
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  • v.l. Brigitte Lüchinger-Bartholet mit Gatte Stefan und Sabina Saggioro Bild: Ulrike Huber
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  • v.l. Silvia und Felix Wetter mit NR Esther Friedli Bild: Ulrike Huber
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Vom Leinenhandel zur IHK St.Gallen-Appenzell

Die Geschichte der Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell gründet im Leinwandhandel. Bereits im 13. Jahrhundert handelten St.Galler Kaufleute mit Leinen, dem «weissen Gold», bis nach Spanien und Polen. Als Gegengewicht zu den protektionistisch orientierten Zünften gründeten diese Fernhändler im 15. Jahrhundert die Gesellschaft zum Notenstein. Das älteste bekannte Mitgliederverzeichnis der Notenstein-Gesellschaft, aus der die IHK hervorging, datiert aus dem Jahr 1466. Heute ist die IHK St.Gallen-Appenzell das führende Wirtschaftsnetzwerk in der Ostschweiz.

rheintal24/gmh/uh/IHK