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Altstätten
01.04.2022
01.04.2022 11:51 Uhr

«Es war ein ergreifender und verbindender Abend»

Die beiden ukrainischen Musikerinnen Laura Ashotivna Marti und Nataliya Lebedeva.
Die beiden ukrainischen Musikerinnen Laura Ashotivna Marti und Nataliya Lebedeva. Bild: Christof Gruber
Am Mittwochabend hat in Altstätten das vom Diogenes-Theater innert kürzester Zeit organisierte Benefizkonzert mit zwei aus der Ukraine geflohenen Künstlerinnen zugunsten der Opfer des Krieges stattgefunden.

Es war ein schöner Konzertabend im Diogenestheater. Ein Abend voller armenischer und ukrainischer Volkslieder und Free-Jazz-Elementen. Ein Abend mit zwei grossartigen Künstlerinnen, die noch vor einigen Wochen ein friedliches Leben in der Ukraine führten und vor dem russischen Überfallskrieg flüchten mussten. Sängerin Laura Marti und ihre Begleiterin am Klavier Nataliya Lebedewa sangen und spielten nicht nur wunderbare Musik, sondern erzählten aus ihrer Heimat und von ihrer Flucht.

Laura Marti erzählte... Bild: Christof Gruber

Zum zweiten Mal auf der Flucht

Was die beiden Frauen erzählten, schockierte und machte nachdenklich. Die 34 Jahre alte Armenierin Laura Marti musste schon zum zweiten Mal in ihrem Leben vor Kriegshandlungen fliehen. So bereits im Berg-Karabach-Konflikt zwischen Armenien und Aserbeidschan, als sie als Kind mit ihren Eltern in die Ukraine floh. Und jetzt vor den russischen Bomben, die auf die Wohnviertel der ukrainischen Städte niedergehen.

...und sang Geschichten über Flucht und Vertreibung Bild: Christof Gruber

Die Erzählungen der beiden Frauen wurden jeweils von Lyudmila Fitsay übersetzt. Mit ihren Geschichten und ihrer Musik spiegelten sie das unfassbare Leid der Bevölkerung wider, die sich unvermittelt in einem in Europa niemals mehr für möglich gehaltenen Krieg wiedergefunden hat. Die rohe Gewalt, die stupide Zerstörungswut Putins wurden auf der Bühne ebenso lebendig, wie die kleine Hoffnung und Sehnsucht auf einen tragbaren Frieden.

Nataliya Lebedewa war vor wenigen Wochen noch Professorin an der Musikakademie in Kiew Bild: Christof Gruber

Den Schrecken des Krieges verarbeiten

Laura Marti und Nataliya Lebedewa wollen in ihrer Vorstellung den selbst erlittenen Schrecken des Krieges und der Vertreibung verarbeiten. Mit armenischen und ukrainischen Volksliedern, die oft genug von Flucht und Vertreibung handeln. Tief bewegende Musik, wunderbar auf ihrem Klavier gespielt von Lebedewa. Und von Laura Marti stimmgewaltig, im Wechsel zwischen weichen und starken Passagen, zwischen Anklage und Erlösung. Ein nachdenklich machender und bewegender Vortrag.

Die im Rheintal wohnende Ukrainerin Lyudmila Fitsay (re) übersetzte die Erzählungen der beiden Musikerinnen Bild: Christof Gruber

Der Diogenes-Co-Programmverantwortliche und Initiator dieses Konzertes René Wuffli fasste treffend zusammen: «Es war ein über alle Grenzen hinaus ergreifender und verbindender Abend.» Der nicht nur den Künstlerinnen einen riesigen Applaus einbrachte, sondern auch eine noble Spendensumme von etwa 5´000 Franken. Eine Spende, die an den Direkthilfe-Verein für Kriegsopfer in Transkarpatien weitergeleitet wurde.

Hinweis:
Direkthilfe-Verein für Kriegsopfer in Transkarpatien, Ukraine. Konto: Clientis Biene Bank, CH68 0698 0605 1918 6455 1.

rheintal24/gmh/uh/cg